Anabole-androgene Steroide (AAS) haben, wie der Name schon sagt, eine anabole und eine androgene Komponente. Anabol bedeutet auf deutsch „aufbauend“. Im Bezug auf AAS bezieht sich anabol auf die Muskeln, da AAS den Muskelaufbau fördern. Dies tun sie durch eine positive Stickstoffbilanz und durch eine massive Steigerung der Muskelproteinbiosynthese. Das Wort androgen (andro, griech. = männlich; gen, griech. = erzeugend) heißt „zum Manne machend“.[1]

➥ Die androgene Komponente umfasst Wirkungen wie beispielsweise die Steigerung von Aggressivität und Kraft oder Haarwuchs am Körper. Allerdings hat die androgene Komponente auch negative, meist unerwünschte Auswirkungen, wie Haarausfall auf dem Kopf und (gutartiges) Prostatawachstum.[2]

Für die androgenen Wirkungen ist der körpereigene Stoff Dihydrotestosteron (DHT) verantwortlich. Dieser Stoff entsteht durch die Umwandlung von Testosteron oder anderen anabolen-androgenen Steroiden mittels des Enzyms 5-alpha-Reduktase.[3] Generell kann gesagt werden, dass je stärker die androgene Komponente ist, desto stärker fällt die Umwandlung des Anabolikums in DHT aus und desto höher fallen die androgenen Nebenwirkungen aus, wobei dies natürlich individuell ist und von der Genetik abhängt. Weitere Einflussfaktoren, inwiefern androgene Nebenwirkungen eintreten, sind natürlich die Art des Anabolikums, die Dosierungshöhe und die Einnahmelänge. Kommen wir nun zu dem Einflussfaktor Anabolikum.


Welche Steroide sind für ihre androgenen Nebenwirkungen bekannt?

Manche Anabolika haben eine besonders hohe androgene Komponente und damit, unter anderem, ein hohes Potenzial die Kopfhaare ausfallen zu lassen oder die Prostata zu vergrößern. Dazu zählen Oxymetholon, Drostanolon, Metenolon, StanozololDiese Stoffe werden nicht über die 5-alpha-Reduktase zu DHT umgewandelt, da sie chemisch bereits 5-alpha-reduziert sind und somit dem Körper in einer Form vorliegen, in welcher er die Stoffe nicht erst über das 5-alpha-Reduktase-Enzym zu DHT umwandeln muss.

➥ Das bedeutet, dass DHT-Blocker, sogenannte 5-alpha-Reduktase-Hemmer (dazu später mehr) bei diesen Stoffen nichts bringen, da der Hemmer die Umwandlung von Stoffen in DHT (über Hemmung des 5-alpha-Reduktase-Enzyms) tätigt. Wenn die Stoffe allerdings nicht 5-alpha-reduktase-enzymatisch umgewandelt werden müssen, sondern dem Körper quasi bereits als DHT zur Verfügung stehen, so ist ein 5-alpha-Reduktase-Hemmer wirkungslos. Außerdem ist der Wirkstoff Methandienon (Dianabol) hoch androgen.

➥ Weiterhin wird natürlich Testosteron, egal ob als Injektionslösung, Gel oder Kapsel, in nicht unerheblichem Maße, in Dihydrotestosteron umgewandelt. Ein Steroid mit einer sehr geringen androgenen Wirkung und damit, in der Regel geringen androgenen Nebenwirkungen, ist Nandrolon. Es konvertiert über das 5-alpha-Reduktase-Enzym zu Dihydronandolon und diese Form hat eine noch geringere androgene Komponente als Nandrolon selbst.


Nebenwirkung Haarausfall

Wie bereits erläutert, erhöhen bestimmte Anabolika den DHT-Spiegel und führen bei entsprechender Veranlagung zu Haarausfall auf dem Kopf. Das Ganze passiert über verschiedene Mechanismen.

Es gibt 3 Phasen, wenn es um Haarwachstum geht:

1.) Die Anagen bzw. Wachstumsphase. Hier wachsen die Haare; die Dauer beträgt 2 – 6 Jahre.

2.) Die Katagen bzw. Übergangsphase, die 2 – 4 Wochen dauert und in welcher die Haare nicht mehr mit Nährstoffen versorgt werden und somit schrumpfen

3.) Die Telogen- bzw. Ruhe/Ausfallphase, welche 3 – 4 Monate dauert.[4] Nach der Ruhephase fällt das Haar aus und macht Platz für ein neues Haar. Durch die Einnahme von Steroiden und somit der Steigerung von DHT, kommt es zu einer Verkürzung der Wachstumsphaseund damit zu einer Vermehrung der Haare, die sich in der Übergangsphase befinden. Dadurch kommt es zu einem Schrumpfen und einer Verdünnung der Haare. In der Ruhephase fallen die Haare dann aus. Da die Wachstumsphase aber verkürzt ist, laufen die beiden letzten Phasen verhältnismäßig länger ab, sodass immer mehr Haare ausfallen. Das Ergebnis sind kahle Stellen bzw. eine Glatze.[5]


Nebenwirkung Prostatahyperplasie

Eine weitere androgene Nebenwirkung von Anabolika ist die gutartige Prostatahyperplasie bzw. Prostatawachstum. DHT sorgt im jugendlichen Alter, unter normalen Bedingungen für ein gesundes Wachstum der Prostata. Wenn nun jedoch zu viel DHT über einen langen Zeitraum vorhanden ist, wie es bei der Einnahme von anabolen Steroiden der Fall ist, dann hat das ein Wachstum der Prostata über das gesunde Maß hinaus, zur Folge. Und das bringt Komplikationen mit sich. Denn eine vergrößerte Prostata drückt auf die Harnröhre und blockiert so den Harnabfluss.

➥ Es kommt zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen, wie beispielsweise Startschwierigkeiten beim Wasserlassen und auch Nachträufeln von Urin nach dem eigentlichen Beenden des Urinierens.  Außerdem hat der Betroffene das Gefühl bzw. ist es Tatsache, dass noch Harn in der Blase ist. Durch diese unvollständige Entleerung ist häufig ein starker und plötzlicher Harndrang zu verzeichnen, der vor allem nachts auftritt, sodass ein Durchschlafen erschwert wird („Nykturie“).

Da Urin in der Harnblase zurückbleibt, wird die Entstehung von Harnwegsinfektionen und schmerzhaften Blasensteinen gefördert. Außerdem kann es durch eine anhaltende Behinderung des Harnabflusses zu einer Schwächung der Harnblase und einer Nierenschädigung kommen.[6] Der Steroidnutzer denkt vielleicht, dass diese Nebenwirkung nur alte Männer trifft, aber wie anhand des Wirkmechanismus von Steroiden und deren Umwandlung in DHT ersichtlich wird, kann es Jeden treffen – und das auch, wenn man jung ist. Denn der Hauptfaktor für Prostatahyperplasie ist DHT und das wird nun einmal durch die Einnahme von bestimmten Anabolika gesteigert.


Mittel gegen Haarausfall und Prostatahyperplasie – Finasterid

Aber man kann auch etwas gegen die androgenen Nebenwirkungen, die durch Steroide versursacht werden, tun. Ein sehr bekanntes und beliebtes Mittel ist das Medikament Propecia® mit dem Wirkstoff Finasterid. Wie bereits erläutert, ist Dihydrotestosteron für androgene Nebenwirkungen verantwortlich und es wird über das 5-alpha-Reduktase-Enzym hergestellt. Dabei gibt es zwei Typen des 5-alpha-Reduktase-Enzyms: Typ I und Typ II. Jede Enzym-Art findet sich an verschiedenen Stellen im Körper befindet und dort hat DHT eine unterschiedliche Wirkung. Das Typ I-Enzym findet sich vor allem im vorderen Teil der Kopfhaut. Das Typ II-Enzym ist in der gesamten Kopfhaut zu finden sowie in der Prostata.

➥ Finasterid blockiert diese 5-alpha-Reduktase Typ II und verhindert somit Haarausfall auf dem gesamten Kopf. Es gibt jedoch auch Grenzen. Finasterid wirkt nicht bei Männern mit vollständigem Haarausfall oder Geheimratsecken, sondern nur bei Männern, die leichten oder mittelgradigen Haarausfall haben. [7] Ebenso blockiert Finasterid die 5-alpha-Reduktase Typ II-Enzyme in der Prostata und das DHT in der Prostata zu 80-90 %.[8] Dadurch verringert oder verhindert Finasterid ein Prostatawachstum.

➥ Die übliche Dosierung von Finasterid beträgt, in der Regel, 1 mg pro Tag.[9]


Nebenwirkungen von Finasterid

Jedes Mittel, das eine Wirkung hat, hat auch Nebenwirkungen. Das trifft vor allem auf so starke Mittel, wie Finasterid es ist, zu. DHT hat im männlichen Körper auch durchaus positive Effekte, wie beispielsweise die Steigerung der Libido, der Standfestigkeit und eine Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens. Wird DHT zu einem großen Teil geblockt kann das in diesem Bereich negative Auswirkungen haben. Zudem kann es durch das Blocken von DHT zu einer depressiven Verstimmung kommen, weil DHT auch für ein gutes Wohlbefinden sorgt.

➥ Darüber hinaus wurde Gynäkomastie (weibliches Brustdrüsenwachstum), Herzklopfen, erhöhte Leberwerte und nach dem Absetzen eine andauernde Schwierigkeit bei der Erektion verzeichnet. [10]


Fazit

➥ Mit Finasterid liegt ein wirkungsvolles Mittel gegen bestimmte androgene Nebenwirkungen vor. Diese sind Haarausfall und Prostatahyperplasie. Allerdings sollten nicht die Symptome, sondern die Ursachen behandelt werden und das ist in diesem Fall die Einnahme von Steroiden.

➥ Will man diese Nebenwirkungen vermeiden, so ist es am besten die Finger von Steroiden zu lassen, denn diese haben noch viele weitere gravierende Nebenwirkungen, wie beispielsweise eine erhöhte Gefahr für Herzinfarkt und Schlaganfall oder auch Organversagen. All das erspart sich der Fitnessathlet, wenn er auf Dopingmittel verzichtet und auf natürliche Weise sein Muskelaufbau-Limit erreicht. Geht man von einem naturalen Limit bei einem FFMI von 25 aus, wie es Experten auf dem medizinischen Gebiet tun, dann ist ein brutaler Körper auch ohne Steroide möglich.[11]

➥ In Zahlen bedeutet ein FFMI für einen 1,80 m großen Mann ein Gewicht von 88 Kilogramm bei einem Körperfettanteil von 8 % ! Ein Körper bei diesen Daten ist definitiv mehr als beeindruckend und brachial.

Quellen:
[1] https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-192011/gesundheitsgefahren-im-web/
[2] https://www.netdoktor.de/medikamente/finasterid/
[3] https://flexikon.doccheck.com/de/Dihydrotestosteron
[4]   Galderma Laboratorium GmbH, https://www.haarausfall.de/haarzyklus
[5] https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs001050050831
[6] https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/gesundheitsprobleme-von-männern/gutartige-erkrankungen-der-prostata/benigne-prostatahyperplasie-bph
[7] https://beipackzetteln.de/finasterid-1-mg
[8] https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Gutartige-Prostatavergroesserung.105202.0.html
[9] https://beipackzetteln.de/finasterid-1-mg
[10] https://beipackzetteln.de/finasterid-1-mg
[11] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7496846

Finasterid: Hilfe bei Steroidkonsum oder noch mehr Belastung ?
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