DNP Dinitrophenol2018-12-05T23:31:15+00:00

➥ Wirkstoffname: 2,4-Dinitrophenol (DNP)

Handelsname / Hersteller: ist offiziell nur zu Forschungszwecken erhältlich, Hersteller des offiziellen Wirkstoffs sind zum Beispiel Fluka Chemie AG, Trigopharm, Biomax Labs und European Disp.

 

➥ Herkunft von Dinitrophenol:

DNP fand das erste Mal 1919 Verwendung. Dabei wurde es in Frankreich zur Herstellung von Munition für Waffen verwendet. So wurde für Granaten eine Mischung aus 60 % TNT (Sprengstoff) und 40% DNP verwendet. Diese Mischung war hochexplosiv und hatte eine enorme Sprengkraft. Eine interessante Beobachtung war, dass die Arbeiter, die diese Mischung herstellten und mit DNP in Kontakt kamen, bestimmte gleiche Wirkungen an ihrem Körper feststellten. Viele von Ihnen bekamen die gleichen gesundheitlichen Probleme, wie Kopfschmerzen, Schwitzattacken und Schwindelanfälle. Außerdem verloren die Arbeiter Körpergewicht. Besonders die zweite, durchaus positive Wirkung der Körpergewichtsreduktion wurde dann von dem Pharmakologen Maurice L. Tainter untersucht, bestätigt und bekannt gemacht.

Er fand heraus, dass DNP in Dosierung von 3 bis 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht den Grundumsatz (Kalorienverbrauch ohne jegliche körperliche Tätigkeit) bei einem gesunden Menschen um 50% steigern kann[1]. In den 1930er Jahren kam schließlich DNP, als Medikament gegen Fettleibigkeit, auf den US-Markt.[2] Jedoch kam es bei den Patienten zu gravierenden und lebensbedrohlichen Nebenwirkungen (z.B. Herzrasen, Blutdruckabfall, Organversagen) [3] und sogar zu Todesfällen in signifikanter Zahl – 62 Stück.

[4] Aufgrund dieser negativen Folgen bei der Einnahme von DNP und der geringen therapeutischen Breite (Abstand zwischen einer wirksamen, nebenwirkungsarmen/freien Dosis und einer Dosis, die toxisch ist), wurden DNP-haltige Medikamente 1938 wieder vom amerikanischen Markt genommen. 1981 wurde DNP dann erneut als Medikament unter dem Namen „Mitcal“ zugelassen und zwar erneut gegen Fettleibigkeit und aber auch als Mittel gegen Krebs. „Mitcal“ wurde von einem Arzt aus Texas auf den Markt gebracht; er verwendete dieses Mittel in seiner Abnehm-Klinik.[5] Allerdings kam es zu dieser Zeit zum Tod eines Wrestlers durch DNP-Konsum und so wurde dem Medikament wieder die Zulassung entzogen. Aktuell (2018) gibt es keine Arzneimittelzulassung für DNP.

Allerdings wird DNP trotzdem häufig von Bodybuildern verwendet, um Körperfett zu verlieren. Im Jahr 2003 veröffentlichte die „UK Food Standard Agency“ (britische Nahrungsmittelbehörde) eine Warnung und bezeichnete DNP als nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Die Warnung richtete sich speziell an Bodybuilder, da immer wieder Bodybuilder ins Krankenhaus eingeliefert wurden, nachdem sie DNP genommen haben.[6]

 

➥ Darreichungsform & Einnahme:

Kapseln oder 100% kristallines Pulver

 

➥ Verfügbare Ester:

Nicht gegeben

 

➥ Nebenwirkungen:

Stark erhöhte Körpertemperatur (Hyperthermie), Schweißausbrüche, Dehydrierung, Wasserspeicherung, Lungenödem, Lethargie, Bewusstlosigkeit, Atemprobleme, Elektrolytmangel, Durchfall, Erbrechen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Allergien, gelbliche Sicht / Trübung der Linse, trockener Mund, Leber- und Nierenfunktionsstörungen, im schlimmsten Fall Tod

 

➥ Dinitrophenol Charakteristik & Wirkungsweise:

2,4-Dintrophenol, kurz DNP, ist kein anaboles/androgenes Steroid. Tatsächlich findet DNP, wie bereits erwähnt, Verwendung als Sprengstoff, als Holzschutzmittel und als Insektenvernichtungsmittel. Nun könnte man sich die Frage stellen, ob es denn nichts gibt, dass Bodybuilder nicht nehmen, um den Muskelaufbau zu fördern. Es scheint so. Der Grund für die Verwendung von DNP im Bodybuilding ist die extrem starke fettverbrennende Wirkung des Wirkstoffes 2,4-Dintrophenol. Tatsächlich ist es möglich mit DNP innerhalb weniger Wochen den Fettanteil im Körper um etwa 10% zu senken. Empirische Daten belegen, dass der Stoffwechsel mit DNP um bis zu 95% und der Grundumsatz um bis zu 50% gesteigert werden kann.

DNP ist der mit Abstand stärkste Fettverbrenner und übertrifft auch die hochwirksamen Stoffe wie Ephedrin, Clenbuterol oder Schilddrüsenhormone. Leider trifft das auch auf die Nebenwirkungen zu, denn DNP kann tödlich sein.

Der fettverbrennende Effekt von DNP kommt zustande, in dem DNP quasi einen „Rund-um-die-Uhr-Effekt“ in Punkto Fettverbrennung erzeugt, denn es wird dauerhaft in den ATP-Stoffwechsel eingegriffen. ATP ist die Abkürzung für Adenosintriphosphat und ist ein Substrat, das bei kurzen und starken Muskelanstrengungen verbraucht wird. DNP greift im ATP-Stoffwechsel ein, indem eine bestimmte biologische Einheit (Protonengradient), die an der Erzeugung von ATP beteiligt ist, abgebaut wird. Der Körper will natürlich die ATP-Synthese aufrechterhalten und versucht deshalb diesen Protonengradienten wiederaufzubauen. Der Protonengradient kann mit Hilfe von Fettsäuren und Kohlenhydraten wiederaufgebaut werden und verbrennt deshalb diese Nährstoffe vermehrt und dadurch kommt es eben zur Erhöhung des Stoffwechsels und Grundumsatzes. Mit DNP kann bis zu 500g reines Körperfett pro Tag verbrannt werden; je nachdem wie hoch der Grundumsatz der Person ist.

Wie wird DNP „korrekt“ angewendet?

Da die Nebenwirkungen von DNP bei der Anwendung gravierende gesundheitliche Folgen haben können, sollte DNP in jedem Fall äußerst vorsichtig angewendet werden. In Anbetracht der Nebenwirkungen ist vom Gebrauch abzuraten und man kann eigentlich nicht von einer „korrekten“ Anwendung sprechen; höchstens von einer Anwendung, die das Risiko für tödliche Nebenwirkungen etwas überschaubarer macht. Eine DNP-Kur sollte keinesfalls länger als maximal 3-4 Wochen dauern.

Im Internet liest man von folgenden Dosierungen: DNP sollte mit 2 mg bis maximal 10mg pro Kilo Körpergewicht und pro Tag verwendet werden. Das bedeutet aber nach dieser Empfehlung auch, dass manche Menschen schon in den Bereich der tödlichen Dosis von DNP kommen. Diese liegt zwischen 1 bis 3 Gramm als Einzeldosis.[7] Somit sollte man von dieser Empfehlung klar Abstand nehmen. Um Gefahren zu vermeiden, sollte eher eine Dosierung von 200mg bis 400 mg jeden Tag aufgeteilt auf zwei, besser eine Einzeldosis eingehalten werden.

Auch, wenn man die geringeren Dosierungen von 200-400 mg pro Tag zu sich nimmt, so kann sich im Körper schnell ein sehr riskanter und tödlicher Wirkstoffspiegel aufgebaut werden. Das liegt an der Halbwertszeit von 36 Stunden, was bedeutet, dass 36 Stunden nach einer Einnahme der Wirkstoff zur Hälfte abgebaut und die andere Hälfte noch vorhanden ist. Nimmt man DNP nun alle 12-24 Stunden kumuliert der Wirkstoff, was bedeutet, dass sich der Wirkstoffspiegel im Körper immer höher steigert: Es ist noch nicht alles abgebaut, aber es wird erneut DNP zugeführt, also steigt der Spiegel immer weiter und weiter. Deshalb sollte man darauf achten zwischen den DNP- Einnahmen mindestens 12 Stunden, besser 24 Stunden, Abstand zu haben und dementsprechend die Dosierung anzupassen. Der way-to-go ist also einmal am Tag 200-400mg.

Außerdem sollte DNP nach 2-3 Wochen zumindest für eine Woche abgesetzt werden, um eben eine übermäßige Kumulierung zu verhindern. Allerdings liefert auch diese Vorgehensweise keinen definitiven Schutz vor sogar tödlichen Nebenwirkungen, denn viele Todesfälle durch DNP sind schon in den ersten Tagen der Einnahme aufgetreten. Es gibt sogar Todesfälle, die nach einer einmaligen Einnahme von DNP verursacht wurden, wie beispielsweise im Jahr 2007, in dem eine 19-Jährige starb.[8]

Nebenwirkungen von DNP 2,4-Dintrophenol

Die Nebenwirkungen können heftig ausfallen und bei unsachgemäßer Anwendung sogar bis zum Tod führen. DNP erhöht die Körpertemperatur um etwa 2 Grad Celsius; es gab aber auch Todesfälle, in denen die Verstorbenen sogar 43 Grad Fieber hatten!![9] Das ist extrem starkes Fieber und bringt Benommenheit, Schwäche, Kopfschmerzen, trockenen Mund, Schweißausbrüche und eine lebensgefährliche Dehydratation mit sich.

Bei überlanger Anwendung verursacht DNP den Grauen Star, Leber- und Nierenschäden, Übersäuerung des Blutes, Erhöhung des Insulinspiegels und Störungen in der Erneuerung weißer Blutkörperchen.

Noch gefährlicher wird der Missbrauch von DNP durch das fehlende Gegenmittel. Es kann also nicht die Ursache, sondern nur die Symptome behandelt werden; jedoch sind die Symptome sehr stark und nur schwer unter Kontrolle zu bringen.

 

Hinweise zu DNP

Während der DNP-Kur sollte der Athlet nur ein leichtes Training ausüben. Und selbst wenn man ein hartes Krafttraining anstrebt, so wird es durch das weniger produzierte ATP nicht möglich seine Bestleistungen zu bringen.

Zudem ist auf eine kohlenhydratreiche Ernährung zu achten, da DNP seine Wirkung nur in Zusammenhang mit Kohlenhydraten optimal entfalten kann denn diese sind ja der Brennstoff für die Stoffwechselerhöhung und werden vermehrt verbrannt – ebenso wie Fettsäuren.

Fazit

Sicher handelt es sich bei DNP um den effektivsten Fettverbrenner. Allerdings kann von der Verwendung nur abgeraten werden, da die Nebenwirkungen zu den gefährlichsten aller im Bodybuilding verwendeten Stoffe gehören und quasi unkontrollierbar ist und unvorhersehbar ist, wie der Körper auf DNP reagiert. Treten die gravierenden Nebenwirkungen ein, ist es meist schon zu spät und man kann nur beten, dass die Ärzte einen am Leben erhalten und die Symptome in den Griff kriegen – denn ein Gegenmittel gibt es nicht!  Man spielt mit der Einnahme von DNP mit seinem Leben und das für einen Fettabbau, der auch durch hartes Training und angepasste Ernährung erreicht werden kann. Keinesfalls braucht es DNP, um in eine brutale, trockene Form zu kommen. Das erreicht man, wie erwähnt, durch Disziplin in Training und der Diät.

 

 

[1]  W. C. Cutting, M. L. Tainter: Actions of Dinitrophenol. In: Proc. Soc. Exper. Biol. Med., 1932, 29, S. 1268–1269.

[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17475379?dopt=Abstract

[3]  C. M. MacBryde und B. L. Taussig: Functional changes in liver, heart, and muscle, and loss of dextrose tolerance resutling from dinitrophenol. In: Journal of the American Medical Association, 1935, 6, S. 13–17; Abstract.

https://link.springer.com/article/10.1007%2FBF02453003

[4]   https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3550200/

[5] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3550200/

[6] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3550200/#CR18

[7] J. C. Suozzi, C. M. Rancont, R. B. McFee: DNP 2,4-dinitrophenol: a deadly way to lose weight. In: Journal of Emergency Medical Services, 2005, 30, S. 82–89

[8] https://www.welt.de/regionales/hamburg/article1193679/19-Jaehrige-stirbt-an-Ueberdosis-Diaetpulver.html

[9] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3550200/table/Tab1/?report=objectonly

 

Warum man keine Anabolika verwenden sollte