Muskeldysmorphie oder auch Adonis-Komplex – bist du betroffen?2019-04-23T14:34:24+00:00

Muskeldysmorphie oder auch Adonis-Komplex – bist du betroffen?

Muskulös zu sein bedeutet nicht sich muskulös zu fühlen

 

Von Männern (selten auch Frauen), die unter dem Adonis-Komplex leiden, denkt man eigentlich, dass genau diese zufrieden mit ihren Muskelbergen sind und sich groß und stark fühlen. Eigentlich geht man davon aus, dass die Männer, die wirklich überdurchschnittlich muskulös sind, sich auch so fühlen. Aber dem ist nicht so. Viele Hardcore-Bodybuilder mit riesigen Muskelbergen und einer definierten Form fühlen sich dünn und schmächtig.

 

Und das Widersprüchliche ist, dass sie sich mit zunehmender Muskelmasse immer schmaler fühlen. Im Grunde ist Muskeldysmorphie dasselbe wie Magersucht (Anorexie) – bloß, dass die vom Adonis-Komplex betroffenen Männer eben muskulös statt mager sind. Deshalb nennt man diese Krankheit auch „Bigorexie“.

 

Männer, die an Bigorexie leiden, schauen in den Spiegel und sehen eigentlich einen hypermuskulösen Mann, empfinden sich aber als dünner als die meisten untrainierten Menschen. Oft kommt es vor, dass Menschen mit diesem gestörten Selbstbild, sich mit anderen Menschen vergleichen. Sie denken häufig Jeder ist muskulöser als sie und wollen auch nicht wahrhaben, wenn man ihnen das Gegenteil mitteilt – obwohl sie ja wirklich muskulöser sind.

 

Die gestörte Körperwahrnehmung und das Gefühl dürr zu sein, führen oft zu extremen Maßnahmen bei den Betroffenen. Tägliches Training, auch wenn es eventuell keinen Spaß macht, ist Pflicht. Ebenso wird der Ernährungsplan penibel genau beachtet und es werden sich keine Ausrutscher erlaubt. Außerdem gibt es meist ein fixes Schlaffenster und eine Schlafdauer, die akribisch befolgt werden. Das führt zu einem extremen Druck, den die Betroffenen sich selbst auferlegen.

 

All diese Extreme in Training, Ernährung und Erholung führen zu negativen Folgen im sozialen Umfeld und unter Umständen sogar im Berufsleben. Denn das strenge Programm schluckt natürlich viel Zeit. Aber es ist nicht nur die Zeit, die fehlt. Selbst wenn Zeit vorhanden ist und das Training erledigt ist, sind soziale Aktivitäten nur schwer zu realisieren, denn die Ernährung muss eingehalten werden. Essen gehen im Restaurant ist tabu, weil man nicht genau unter Kontrolle hat, wieviel Kalorien man zu sich nimmt oder was für Zutaten im Gericht enthalten sind.

 

Auch ein spontanes, längeres Ausgehen abends fällt flach, falls es in Schlaf-Fenster fällt. Es wird alles getan, um bloß muskulöser zu werden. Dabei führt dieses extreme Vorgehen nicht unbedingt zu mehr Erfolgen, denn durch den Druck kann es sein, dass man das Ganze irgendwann über den Haufen wirft, weil es einem zu viel wird und man gar nicht mehr trainiert. Oder der starke Druck führt zu einer hohen Ausschüttung von Stresshormonen, wie Cortisol, sodass ein Muskelabbau und Fettaufbau begünstigt wird. Also genau das Gegenteil von dem was der Bodybuilder will.

 

Bei manchen Betroffenen geht der Muskelwahn sogar soweit, dass das Berufsleben leidet. Man sucht sich einen Job, der weniger stressig ist, um Stresssituationen und damit muskelabbauende Stresshormone zu vermeiden. Oder man bemüht sich um einen Job, bei dem man sich besser an seinen Ernährungsplan halten kann und häufiger essen kann. Andere suchen sich einen Teilzeitjob, um mehr Zeit für das Training zu haben.


Wie kommt es zum Adonis-Komplex?

Unsere Gesellschaft heutzutage ist vor allem durch Leistung geprägt: Höher, schneller, weiter oder besser gesagt: Schöner, reicher, angesehener. Diese oberflächlichen Ideale setzen viele – vor allem junge und noch nicht gefestigte Menschen – sehr unter Druck.

 

Um dem körperlichen Ideal von heute möglichst nahe zu kommen, fangen viele mit gezieltem Fitnesstraining an. Das ist an sich nicht negativ, sondern im Gegenteil, sehr gesund – solange es eben in einem vernünftigen Maße betrieben wird. Auch nicht Jeder, der trainiert und Wert auf sein Äußeres legt, hat einen Adonis-Komplex. Kritisch wird es erst, wenn das Ganze zum Zwang wird und man andauernd mit seinem eigenen Körper unzufrieden oder schon depressiv ist, obwohl man rein objektiv betrachtet überdurchschnittlich gut aussieht und muskulös ist.

 

Gefährdet sind vor allem junge Leute, da ihr Charakter noch nicht gefestigt ist und sie sich häufig alleine über den Körper definieren; sie denken fälschlicherweise, dass ein muskulöser Körper eine enorme Wichtigkeit für ihr restliches Leben hat bzw. dass sie durch diesen auch in anderen Lebensbereichen erfolgreich werden.

 

Außerdem ist das Risiko für einen Adonis-Komplex erhöht, wenn bestimmte Umstände gegeben sind: Der Psychologe Roberto Olivardia fand heraus, dass Männer mit Adonis-Komplex meist eine perfektionistische Einstellung haben, ein geringes Selbstwertgefühl haben, unzufrieden mit dem eigenen Körper sind und eine schlechte oder ganz keine Beziehung zum Vater haben.


Wann wird der Fitness- und Bodybuilding-Lifestyle gefährlich? Prüfe dich!

Fast jeder, der ins Fitnessstudio geht, hat das Ziel besser auszusehen. Das kann eine Motivation sein und zu Bestleistungen animieren – soweit so gut.

 

Dabei sollte man sich aber ab und zu selbst prüfen, wie die innere Haltung zum Sport ist. Folgende Fragen können als Frühwarnsystem dienen, um zu prüfen, ob man in eine Bigorexie reinrutscht oder ist oder ob man sie bereits hat:

Zwingst du dich ständig zum Training und zur Fitness-Ernährung? (Es ist normal, dass man nicht immer Spaß dabei hat; aber bei der Frage geht es speziell darum, ob Training und Ernährung nie Spaß machen)

Verzichtest du manchmal auf soziale Aktivitäten, um Training/Ernährung/Erholung besser einhalten zu können?

Hast du Körperdaten, die auf eine überdurchschnittliche ausgeprägte Muskulatur hinweisen und findest dich dennoch schmal?

Bist du immer unzufrieden mit deinem Körper?

Bist du bereit alles für den Sport zu tun, um Erfolg zu haben? Sogar gesundheitsschädliche Dopingmittel einzunehmen oder den Job zu wechseln, um dein Training und die Ernährung besser verfolgen zu können?

 

Abschließend lässt sich sagen, dass ein gesunder Lebensstil mit regelmäßigem Sport und guter Ernährung, als sehr positiv anzusehen ist und eine große Disziplin in diesem Bereich nicht immer eine „Bigorexie“ bedeutet. Entscheidend ist vor allem die innere Haltung und welche Priorität und Konsequenzen der Fitnesssport im Leben hat. Dabei können die obigen sehr hilfreich sein, um sich selbst zu prüfen.

 

Quelle:
(1) http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/muskelsuechtige-vermeiden-alles-was-den-muskelaufbau-stoert-a-912601.html)

Warum man keine Anabolika verwenden sollte